So nun nicht, aber trotzdem Fortschritte © Carsten Heinrich

ADFC: Stadt will neue Vorgaben auf Viktoriabrücke berücksichtigen

 

Früher geplante Aufteilung der Verkehrsflächen heute nicht mehr aktuell

 

Die neue Aufteilung der Verkehrsflächen auf der Viktoriabrücke ist keine Schikane für Autofahrer, sondern Folge neuer gesetzlicher Vorgaben und Ziele und wir vom ADFC ausdrücklich begrüßt. Die bislang vorgesehenen Breiten der Fuß- und Radwege, die auf eine zehn Jahre alte Planung zurückgehen, unterschreiten nach Angaben des ADFC Bonn/Rhein-Sieg die heute vorgegebenen Mindestbreiten, so dass es sinnvoll ist, dass die Verwaltung die alte Planung überarbeitet hat. Der ADFC begrüßt, dass die Stadt die Planung heutigen Richtlinien und Zielen angepasst hat. Die aufkommende Kritik, wonach die neue Planung vor allem Staus produziere, sei falsch, wie das neue Verkehrsgutachten nachweist. „Die ursprünglich geplante Verkehrsführung enthält aus heutiger Sicht einige schwerwiegende Mängel für den Fuß- und Radverkehr“, erklärt Werner Böttcher, verkehrspolitischer Sprecher des ADFC. „Die bislang geplanten Radfahrstreifen entsprechen nicht den verbindlichen Mindestmaßen der Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA 2010). Da es sich bei der Viktoriabrücke um eine Hauptverbindung des Radverkehrs handelt und überdies Steigungen überwunden werden müssen, sind Radwege, die die Mindestmaße unterschreiten, nicht akzeptabel“, so Böttcher.

Die ursprünglich geplante Verkehrsführung sei sogar gefährlich gewesen, so der ADFC, denn sie habe drei freie Rechtsabbieger für den Autoverkehr vorgesehen, was zwangsläufig zu Abbiegeunfällen mit Fußgängern und Radfahrern führen würde. „Die Regelwerke halten solche unfallträchtigen freien Rechtsabbieger nicht mehr für zeitgemäß. Auch der Stadtrat hat beschlossen, dass solche Abbiegespuren ohne getrennte Ampelregelung für Kfz- und Rad-/Fußverkehr nicht mehr umgesetzt werden sollen“, so Böttcher. Auch die ursprünglich vorgesehene gemeinsame Führung von Fuß- und Radverkehr im Mittelbereich der Brücke widerspreche den Vorgaben der ERA, da die vorgeschriebenen Breiten nicht eingehalten werden. Auf Hauptverbindungen des Radverkehrs sind kombinierte Geh- und Radwege außerdem grundsätzlich ausgeschlossen, so der ADFC.

„Die Umplanung ist also nicht aus einer Laune heraus geschehen, sondern folgt geänderten Vorgaben und ist sinnvoll“, betont der 2. Vorsitzende des ADFC, Bernhard Meier. Das Stadtplanungsamt habe jetzt eine Verkehrsführung mit regelkonformen Rad- und Fußwegen entwickelt. Zugleich habe die Stadt auf den gestiegenen Radverkehr reagieren müssen, betont der ADFC. So sei der Radverkehrsanteil im Stadtbezirk Bonn in den vergangenen fünf Jahren von 12 auf 18 Prozent gestiegen, so Meier, der sich auf Zahlen von Infas beruft. Nordrhein-Westfalen habe zudem im Fahrrad- und Nahmobilitätsgesetz die Zielgröße von 25 Prozent Radverkehrsanteil festgeschrieben, mit den Stimmen der Regierungsfraktionen von CDU und FDP. „Noch mehr Radverkehr ist auf zu schmalen Radwegen nicht machbar“, so Meier. Der Bonner Rat habe erst 2019 das Ziel ausgegeben, den Anteil des Autoverkehrs auf 25 % zu senken und den Anteil von Bus und Bahn, Rad- und Fußverkehr auf 75 % zu steigern. „Dies erreicht man nicht, wenn man bei Neubaumaßnahmen weiter zu wenig Platz für den wachsenden Fuß- und Radverkehr einplant. Die jetzt vorgeschlagene Verkehrsführung für den Fuß- und Radverkehr ist ein guter Kompromiss, weil die Unfallgefahr durch den Wegfall von zwei freien Rechtsabbiegern reduziert wird, weil im oberen Brückenbereich Fuß- und Radverkehr separat und damit konfliktfrei geführt werden“, so Meier. „Die verbreiterten Radfahrstreifen, zumal wenn sie geschützt ausgeführt werden, sind Ausdruck für ein attraktives Radverkehrsnetz, das alle Parteien im Rat entwickeln wollen.“

„All diese Verbesserungen sind ohne Einschränkungen des Autoverkehrs möglich, wie das neue Verkehrsgutachten eindeutig belegt“, so Böttcher. „Der Rat sollte sich daher für diese in die Zukunft gerichtete Verkehrsführung entscheiden. Sonst sind wir aufgrund des Bestandsschutzes im Rahmen der Förderung über Jahrzehnte an eine unzeitgemäße Fuß- und Radverkehrsführung gebunden. Ich bin auch zuversichtlich, dass das Land NRW als Fördergeber sein Einvernehmen erteilen und nicht auf einer überholten alten Planung bestehen wird.“

Über uns:

Der ADFC/Bonn-Rhein-Sieg e.V. ist mit mehr als 7000 Mitgliedern der größte Kreisverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs in Nordrhein-Westfalen. Er ist in 18 Orts- und Stadtteilgruppen in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis aktiv. Der ADFC setzt sich für eine umweltfreundliche Verkehrspolitik ein, bietet gemeinsame Radtouren an, codiert Fahrräder zur Diebstahlprävention und berät Alltags-, Freizeit- und Urlaubsradfahrer*innen in allen Fragen rund um das Fahrrad.

 

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