ADFC/Radentscheid kritisieren Koalition: Kein „Shared Space“ in der Rathausgasse - ADFC Bonn/Rhein-Sieg

ADFC Vorschlag: Am Hof / Rathausgasse © ADFC / Streetmix

ADFC/Radentscheid kritisieren Koalition: Kein „Shared Space“ in der Rathausgasse

(Bonn, 16. März 2023) Brief an Ratsmitglieder: Konflikte zwischen Bussen und Radfahrern vorprogrammiert

Der Streit um die Neugestaltung von Rathausgasse, Am Hof und Wesselstraße spitzt sich zu: Nachdem die Koalition in der Bezirksvertretung Bonn entgegen zahlreicher Bedenken unter anderem der Stadtwerke Bonn, der Universität, des ADFC, des VCD und der Initiative Radentscheid für einen Mischverkehr von Bussen, Radfahrern, Fußgängern und Autos in dem Straßenzug entlang des Unihauptgebäudes gestimmt hat, appellieren ADFC und Radentscheid in einem Brief an alle Stadtverordneten, diese Planung in der Ratssitzung am 23. März zu stoppen. „Es ist nicht verständlich, wie die Ratsmehrheit und insbesondere die Grünen darauf bestehen können, dass die Rathausgasse gleichzeitig Hauptachse für den Bus- und Radverkehr ist, aber beide Verkehre nicht getrennt werden“, kritisiert der Verkehrspolitische Sprecher des ADFC in Bonn, Gerd Billen. „Jeder Radfahrer in der Rathausgasse Richtung ZOB wird künftig den Busverkehr ausbremsen, weil Busse auf der neugestalteten Straße nicht mehr genug Platz zum Überholen haben. Deshalb kritisieren ja auch die Stadtwerke die von der Ratskoalition favorisierte Lösung eines Shared Space.“ Auf solchen Straßenzügen, die üblicherweise in verkehrsberuhigten Zonen eingerichtet werden, teilen sich alle Verkehrsteilnehmer den Straßenraum. Das bedeutet: Selbst Fußgänger dürfen die Fahrbahn nutzen.

Die Stadtverwaltung hatte für Rathausgasse, Am Hof und Wesselstraße neben einer Shared-Space-Lösung auch einen geschützten Zweirichtungsradweg vorgeschlagen. Den lehnen jedoch SPD, Grüne und Linke ab, weil er angeblich den Fußgängerverkehr behindere. Koalitionspartner Volt unterstützt dagegen die Forderung nach einem Zweirichtungsradweg. „Rathausgasse und Am Hof können deshalb nicht zu einer Fußgängerzone oder Shares Space werden, weil es die Politik versäumt hat, ein neues Buskonzept zu beschließen und den Busbahnhof nicht verlegen will. So lange müssen Busse über die Rathausgasse zum ZOB fahren“, so Billen. Aktuell fahren mehr als 60 Busse pro Stunde über die Rathausgasse/Am Hof. Nach Angaben der Stadtwerke nutzen die Strecke täglich 920 Busse, hinzu kommen alle Autos, die die Marktgarage verlassen, sowie der Lieferverkehr.

Da Rathausgasse/Am Hof neu gestaltet werden, ist künftig ein Überholen von Radfahrern Richtung ZOB durch Busse nicht mehr möglich, so dass Busse bis zum Kaiserplatz hinter Radfahrern herfahren müssen. „Das ist weder für die Busfahrer noch für die Radfahrer eine angenehme Situation. Und Fußgänger haben es noch schwerer, gesichert über die für alle offene Verkehrsfläche zu kommen“, so Billen. „Wenn die Strecke eine Hauptroute für den Radverkehr zwischen Beuel und dem Hauptbahnhof, der Südstadt und Poppelsdorf sein soll, brauchen wir eine einladende Radinfrastruktur, auf der sich auch jüngere Radfahrer wie Schüler sicher bewegen können. Ohne eine wesentlich bessere Radinfrastruktur wird die dringend notwendige Mobilitätswende für den Bonner Klimaschutz nicht gelingen“, so Billen.

In dem Brief an alle Ratsmitglieder unterstreichen ADFC und Radentscheid, dass die Bezeichnung „Shares Space“ für den Cityring eine Fata Morgana ist. „Durch die gemeinsame Führung von ÖPNV, Autos, Fahrrädern in Richtung Bahnhof auf einer Fahrspur von 3,50 m Breite ist kein sicheres und legales Überholen der Radfahrenden möglich. Die Fahrbahn ist bei weitem nicht breit genug, um 1,5 m Überholabstand einzuhalten“, so Billen und Radentscheid-Sprecher Steffen Schneider. Selbst die Verwaltung sehe die Gefahr von „gefährdenden Überholvorgängen”. Der Busverkehr werden auf einer längeren Strecke auf Fahrradtempo abgebremst, Konflikte seien vorprogrammiert. „Besser als eine ,Da müssen wir jetzt durch‘-Haltung der Koalitionsfraktionen braucht es jetzt den wirklichen Mut zu Klimaschutz und Mobilitätswende“, so Billen und Schneider.

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