Nordbrücke: Das Fahrrad ist Teil der Lösung, nicht Hindernis - ADFC Bonn/Rhein-Sieg

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Kreisverband Bonn/Rhein-Sieg e. V.

Sperrung Nordbrücke © Giacomo Zucca / Bundesstadt Bonn

Nordbrücke: Das Fahrrad ist Teil der Lösung, nicht Hindernis

ADFC, VCD, Radentscheid: Statt Radverkehr zu schwächen, muss Bonn sein Entlastungspotential nutzen – Zahl der Radfahrer auf Kennedybrücke verdoppelt!

Im Maßnahmenpaket der Stadt Bonn zur Bewältigung der Verkehrsprobleme nach Sperrung der Nordbrücke fehlen Maßnahmen zur schnellen Förderung des Radverkehrs. Der ADFC begrüßt mit dem Bonner VCD und dem Bonner Radentscheid ausdrücklich die ÖPNV-Vorschläge im Konzept wie den Ausbau des Park-and-Ride-Verkehrs und die störungsfreie Führung wichtiger Bahn- und Buslinien, was auch zu Umwegen für den Radverkehr führt. „Es fehlen aber jegliche Maßnahmen zur Förderung des Radverkehrs, der einen Teil der Verkehrslast aus den Vororten nach Bonn übernehmen kann“, kritisiert ADFC-Vorsitzender Peter Lorscheid. „Verbesserungen, die den Umstieg aufs Rad erleichtern könnten, scheinen nicht geplant zu sein. Stattdessen sollen bewährte Radspuren aufgegeben werden, um Platz fürs Auto zu schaffen. Das ist kein Krisenmanagement, das ist ein verkehrspolitischer Rückschritt ohne Plan“, so Lorscheid. „So löst die Stadt Bonn nicht das Problem der 100.000 Autos, opfert aber die Radinfrastruktur, die wir bereits haben und erstickt das erhebliche Entlastungspotential, das der Radverkehr in dieser Krisensituation bietet, im Keim.“

Einzelne Radspuren umzuwandeln, bringt dem Autoverkehr erwartbar wenig, wenn an entscheidenden Stellen wie der Kennedybrücke ohnehin nur Einspurigkeit möglich ist. Wer in Bonn den Verkehr wieder zum Fließen bringen will, muss Menschen aufs Rad und natürlich in Busse und Bahnen bringen, statt genau dies zu erschweren, so ADFC, VCD und Radentscheid. Wie stark schon jetzt der Radverkehr ansteigt, zeigt die Zählstelle auf der Nordseite der Kennedybrücke: Dort hat sich die Zahl der Radfahrer von 4810 am Montag, 1. Juni, auf 8181 am Montag, 8. Juni, fast verdoppelt. Die Zahlen für den Radweg auf der Südseite, der deutlich höhere Nutzerzahlen hat, liegen aktuell nicht vor, da die Zählstelle seit wenigen Tagen defekt ist.

 

Position zu den vorgeschlagenen Maßnahmen:

Umleitung des Radverkehrs am Combahnfriedhof

Diese Maßnahme begrüßen wir, da in Aussicht steht, dass die Linie 66 dadurch staufrei durchkommt und ihren Takt so leichter einhalten kann. Umwege für den Radverkehr sind dabei ein Preis, den der ADFC gerne in Kauf nimmt, da die Vorteile klar überwiegen.

Die Alternativrouten für den Radverkehr müssen unbedingt zusätzlich beschildert und markiert werden, darüber hinaus muss sichergestellt werden, dass die Kreuzungsbereiche des Bröltalradweges mit Rheindorfer und Von-Sandt-Straße freigehalten werden und nicht ebenfalls den Staus zum Opfer fallen. Der Bröltalradweg sollte auch aus Gründen der Verkehrssicherheit durchgängig vorfahrtsberechtigt sein.

Adenauerallee

Angesichts der zwei baulichen, zwangsweise einspurigen Engstellen am Koblenzer Tor und der bekannten Baustelle am Bundesamt für Justiz wird der Verkehrsfluss im gesamten Bereich der Adenauerallee nicht erhöht, wenn die neuen Radwege wegfallen. Es werden lediglich abschnittsweise die Rückstauflächen zu Lasten der Sicherheit der Radfahrenden, insbesondere von Schulkindern und Studierenden, die in diesem Bereich der Adenauerallee zwischen Koblenzer Tor und Weberstraße zahlreich nutzen, vergrößert. Diese sollten auch weiterhin sicher bis zur Weberstraße/Zweite Fährgasse bzw. dem Hofgarten sowie weiteren Anschlusspunkten gelangen können. Verkehrsfluss darf nicht vor Sicherheit gehen!

Oxfordstraße und Am Alten Friedhof

Diese Radspuren dürfen auf keinen Fall wie von der Taskforce vorgeschlagen zurückgebaut werden. Auch hier gilt wie in der Adenauerallee, dass diese zentrale Ost-West-Achse, die den erheblichen Radverkehr aus Richtung Kennedybrücke aufnimmt, auf mehreren Abschnitten einspurig verläuft. Diese Route ist eine der wichtigsten Radverkehrsverbindungen in der Innenstadt und darf nicht zur Disposition stehen. Die einzige wirklich komfortable und leistungsfähige Verbindung des Radverkehrs im Zentrum würde zerschnitten, nur damit der sich stauende Durchgangsverkehr auf einigen hundert Metern neben- statt hintereinander fahren oder stehen kann.

Gleichzeitig unterstützen ADFC, VCD und Radentscheid die Bonner Stadtwerke in ihrer Forderung, die vorhandenen Bus- und Umweltspuren beizubehalten. „Wir haben die Hoffnung, dass in dieser Ausnahmesituation Busse, Bahnen und Fahrräder Vorrang genießen“, so der VCD-Vorsitzende Rainer Bohnet.

 

Der Radverkehr muss Teil der Lösung sein

ADFC, VCD und Radentscheid sind sich der schwierigen Situation bewusst, denn wir sind, wie alle Menschen in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis, auf eine funktionierende Mobilität angewiesen. Wir beobachten nun, dass eine Verkehrsart, namentlich das Auto, durch einen fahrlässigen Umgang mit der Straßeninfrastruktur am Rande des absoluten Kollapses steht. Gerade im Namen derer, die nicht auf ihre Autofahrten verzichten können (Handwerker, Lieferanten, mobilitätseingeschränkte Menschen und im aktuellen Falle natürlich auch der durch Bonn fließenden Fernverkehr), müssen schnellstmöglich alle, die es können, zum Umstieg bewegt werden, um das Straßennetz zu entlasten!

Wir begrüßen daher nochmals ausdrücklich die angekündigte Stärkung des ÖPNV und sind in diesem Sinne auch bereit, temporäre Abstriche für den deutlich anpassungsfähigeren Radverkehr zu machen, wenn sie Bus und Bahn nützen. Wir warnen dennoch eindringlich davor, eine ganze Verkehrsart, die schon heute einen nicht zu vernachlässigenden Teil der Mobilität abwickelt (siehe Daten der MiD-Studie) und in der aktuellen Situation erhebliches Entlastungspotential bietet, zu vergessen oder sogar einzuschränken.

ADFC, VCD und Radentscheid stehen bereit, die Stadt bei der Bewältigung der aktuellen Krise zu unterstützen und gemeinsam an einem Strang zu ziehen.

MiD-Studie

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