
Nordbrücke: Stadt macht Ernst mit dem Rückbau der Radinfrastruktur
(o5. Juli 2026) Krisenbewältigung auf Kosten der Radfahrenden
Kein Thema beschäftigt Bonn und die Region zurzeit so sehr wie die gesperrte Brücke und die damit einhergehenden Verkehrsprobleme. Schnell wurden Pläne der Stadtspitze bekannt, Radwege zurückzubauen, um mehr Platz für den sich stauenden Autoverkehr zu schaffen.
Seither haben Radentscheid und ADFC eine Petition gestartet, die in wenigen Tagen Tausende Unterschriften einbrachte und weiter unterzeichnet und geteilt werden kann. Am 26. Juni folgten dem gemeinsamen Demonstrations-Aufruf unter dem Motto "Wir alle sind Teil der Lösung" von ADFC, Radentscheid, VCD, Fuß e.V. und zahlreichen weiteren Initiativen aus der Mitte der Stadtgesellschaft über 500 Menschen - trotz 38°C Hitze.
Inzwischen haben OB und Verwaltung konkrete Pläne präsentiert, die wie eine verkehrspolitische Zeitreise in die Vergangenheit wirken.
Doch zunächst der Reihe nach.
Am 3. Juni wurde die Nordbrücke wegen massiver Schäden voll gesperrt, das Verkehrschaos folgte umgehend. Wenige Tage später haben wir als ADFC unsere erste Pressemeldung sowie ein Schreiben an alle Ratsmitglieder verschickt. Darin empfehlen wir, das Rad jetzt als Teil der Lösung zu stärken und die Menschen zum Umstieg zu bewegen.
Gehört wurden wir nicht: Am 11. Juni beschloss der Stadtrat mit den Stimmen von CDU, SPD, FDP, BBB und AfD, zentrale Achsen wieder vierspurig für den Autoverkehr zu machen, auf Kosten von Rad- und Umweltspuren. Vor der Sitzung versammelten sich kurzfristig ca. vierzig Aktive von ADFC, Radentscheid und anderen Initiativen vor dem Ratssaal im Stadthaus, um zu zeigen, was wir von der entsprechenden Vorlage halten.
Am 1. Juli hat die Stadt nun ihren konkreten Umsetzungsplan vorgelegt.
Dieser muss als Totalabsage an den Radverkehr gelesen werden: Auf der Oxfordstraße sollen die Radspuren stadteinwärts zu bloßen Schutzstreifen werden, Richtung Rhein wird das Radfahren abschnittsweise ganz verboten und der Radverkehr aus der Altstadt und aus dem Westen durch die viel zu enge Straße "Sterntorbrücke" gezwängt. Die absehbaren Folgen: Chaos, Gefahr und deutliche Verschlechterung der Gesamtverkehrsleistung. Und das, obwohl sich der Radverkehr auf der Kennedybrücke seit der Sperrung auf rund 19.000 Querungen täglich verdoppelt hat. Nebenbei soll auch die Radinfrastruktur an der Adenauerallee weitestgehend zurückgebaut und teils das Radfahren sogar untersagt werden - obwohl hier weder eine besondere Stausituation noch ein erkennbares Entlastungspotential liegt. Ideologische Ziele werden hier unter dem Deckmantel der Krisenbewältigung durchgedrückt.
Genau die Menschen, die den Verkehr jetzt entscheidend entlasten, werden nun also mit gefährlichen und zeitraubenden Umwegen bestraft.
Gegen den Ratsbeschluss regt sich breiter Protest: Die von ADFC und Radentscheid am 15. Juni gestartete Petition kratzt an den 10.000 Unterschriften und kann weiter unterzeichnet werden. Bei der Kundgebung am 26. Juni zeigten trotz unmenschlicher Temperaturen von 38°C auf dem Münsterplatz über 500 Menschen, dass sie die Rückkehr zur autogerechten Stadt nicht einfach so hinnehmen wollen - ein starkes Zeichen gegen den verkehrspolitischen Rollback, der jetzt von Politik und Verwaltung angestrengt wird.
Bisher zeichnet sich nicht ab, dass der OB und seine kooperierenden Ratsmitglieder unsere Sorgen, Bedürfnisse und konstruktiven Angebote in irgendeiner Weise ernst nehmen, von daher: Der Kampf geht weiter, und ihr könnt alle mithelfen! Teilt die Petition, informiert euer Umfeld und schreibt den Ratsmitgliedern. Und das Wichtigste: Fahrt weiter Rad und passt auf Euch und andere auf, egal welche Steine uns noch so in den Weg gelegt werden!








