Große Enttäuschung nach fulminantem Auftakt - ADFC Bonn/Rhein-Sieg

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Kreisverband Bonn/Rhein-Sieg e. V.

Große Enttäuschung nach fulminantem Auftakt

Neuer NRW-Entwurf eines Fahrradgesetzes stößt auf Kritik

Der „Entwurf eines Gesetzes zur Einführung des Fahrrad- und Nahmobilitätsgesetzes sowie zur Änderung des Straßen- und Wegegesetzes“ wurde Anfang März an den Landtag übersandt (hier der Link).
Am 18. Dezember 2019 hatte der Landtag der Volksinitiative Aufbruch Fahrrad einstimmig zugestimmt und der Landesregierung aufgetragen, einen entsprechenden Gesetzentwurf für ein Fahrradgesetz vorzulegen. Rund 207.000 Menschen hatten zuvor für Aufbruch Fahrrad, einem Aktionsbündnis aus 215 Vereinen und Verbänden, ihre Stimme gegeben.

Aufbruch Fahrrad ist damit die erfolgreichste Volksinitiative, die es in Nordrhein-Westfalen je gab. In der kommenden Verbändeanhörung wird es allerdings einiges zu beraten geben. Viele der konkreten Forderungen der Volksinitiative finden sich im Gesetzentwurf nicht wieder:

  • Zwar soll auch nach Ansicht der Landesregierung der Anteil des Radverkehrs auf 25 Prozent steigen - bis wann das passieren soll, dazu schweigt der Entwurf. Die Volksinitiative hatte das bis 2025 gefordert.
  • Zwar sollen hochwertige Radwege, Radvorrangrouten und Radschnellwege entstehen – wie viele und bis wann, da will die Landesregierung lieber keine konkreten Ziele festlegen. Aufbruch Fahrrad hatte 1.000 km bis 2025 gefordert.
  • Zwar sind seit 10 Jahren in NRW 270 Kilometer Radschnellwege geplant, gebaut sind bis heute aber keine 10 km.
  • Zwar soll die Fahrradinfrastruktur finanziell mehr gefördert werden, alle Zusagen im Gesetzentwurf stehen aber unter Haushaltsvorbehalt.
  • Zwar soll die „Vision Zero“, also Null-Verkehrstote, laut Gesetz verfolgt werden, allerdings ist auch bisher keine Rede zur Verkehrssicherheit gehalten worden, in der nicht beteuert wurde, jeder Verkehrstote sein einer zu viel.

Präziser wird das NRW-Verkehrsministerium allerdings beim kürzlich vorgelegten Infrastrukturpaket II zur Planungsbeschleunigung, das das Landeskabinett am 23. März beschlossen hat, ebenfalls um eine Verbändeanhörung einzuleiten. Auch für Klagen gegen Radschnellverbindungen gilt danach nur noch eine Instanz. Wird gegen die Planung geklagt, ist unmittelbar das Oberverwaltungsgericht zuständig. Für Radwege von unter sechs Kilometern Länge, die durch kein geschütztes Gebiet führen, soll künftig keine Umweltverträglichkeitsprüfung mehr nötig sein. Linienbestimmungsverfahren für Landes- und Kreisstraßen soll es nur noch bei Projekten von „erheblicher Bedeutung“ geben. Vorbereitende Maßnahmen für Straßenbauvorhaben sollen schon während des Planfeststellungsverfahrens erlaubt sein, solange die Maßnahmen reversibel sind.

alle Themen anzeigen

Verwandte Themen

Bonn: Künftige Verkehrsführung vor dem Hauptbahnhof

Neuaufteilung der Verkehrsräume vor dem Bonner Hauptbahnhof. Stadt Bonn hat Planfeststellungsverfahren eingeleitet.…

ADFC schlägt Hauptroutennetz für den Radverkehr vor (Kopie 2)

Begemann: Diskussionsgrundlage für eine breite Debatte – Neue Hauptachsen

ADFC ruft Radfahrer auf: Umweltspur nachts nicht nutzen!

Die städtische Auslegung der Straßenverkehrsordnung mit der nächtlichen Freigabe der Umweltspur in Richtung Duisdorf für…

Bad Honnef: Schlechte Noten beim ADFC-Fahrradklimatest

Stadt Bad Honnef bringt vielfältige Verbesserungen für den Radverkehr auf den Weg

Fahrradparkhaus mit Fahrradfahrer am Eingang

Sicher Radfahren in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis

Fakten, Hintergründe und Handlungsbedarf - mit Abruf der Broschüre: Radwissen im Fokus

Das erste Schild "Überholverbot der Zweiräder"

Premiere für Bonn - seit kurzem gibt es das erste Verkehrsschild "Überholverbot der Zweiräder" und zwar in der…

Fahrradstraße im roten Design und parkenden Autos auf beiden Seiten

Bonn: Fahrradstraßen künftig in neuem Design

Zusätzlich zu den nach StVO vorgeschriebenen Beschilderungen und den bisherigen Fahrrad-Piktogrammen werden künftig am…

Sanierte Wege im Kottenforst

Endspurt im Kottenforst bei der diesjährigen Sanierung der Wege

Brücke am Agger-Sülz-Radweg wieder eröffnet

(November 2022) Die wichtige Verbindung über die Agger in Lohmar-Donrath (Dornheckenweg) ist wieder nutzbar

https://bonn-rhein-sieg.adfc.de/artikel/grosse-enttaeuschung-nach-fulminantem-auftakt-1

Bleiben Sie in Kontakt