Sicherer Radverkehr braucht mehr Fahrradstraßen - ADFC Bonn/Rhein-Sieg

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Kreisverband Bonn/Rhein-Sieg e. V.

Neues Design der Bonner Fahrradstraßen © Giacomo Zucca / Bundesstadt Bonn

Sicherer Radverkehr braucht mehr Fahrradstraßen

(Bonn, 26. April 2023) ADFC fordert zügigen Beschluss zur Schaffung neuer Fahrradstraßen in Bonn

Der von der Stadtverwaltung Bonn vorgelegte Plan für die Schaffung von Fahrradstraßen in Bonn wird vom ADFC Bonn/Rhein-Sieg unterstützt. Der ADFC plädiert zudem für eine zügige Beschlussfassung im Rat, damit zeitnah mit der Umsetzung begonnen werden kann.

Derzeit nutzen rund 50.000 Bonnerinnen und Bonner täglich das Fahrrad, um zur Arbeit, zum Einkauf, zur Kita oder Schule zu fahren. Es könnten viel mehr sein, wenn ihnen mehr Straßen zur Verfügung stünden, auf denen sie sich sicher bewegen können – mit genügend Abstand zu parkenden Autos, um nicht Opfer einer von Autofahrern leichtfertig geöffneten Autotür zu werden. Mit genügend Platz auch für entgegenkommende Radfahrende, die z.B. ihre Kinder mit einem Cargo-Bike statt mit dem Auto zur Kita bringen. Mit so viel Sicherheit, dass Heranwachsende selbst mit dem Rad zur Schule kommen.

Verbunden mit diesen Plänen ist auch eine Verbesserung für die Fußgängerinnen und Fußgänger. Denn oft werden die Bürgersteige als Parkfläche missbraucht. Gehwege brauchen eine Mindestbreite von 1,50 m. Nur so kommen Menschen mit Rollstuhl, Rollator und Kinderwagen sicher und bequem ans Ziel. In vielen Straßen der Nord- und Südstadt, aber auch in anderen Wohnvierteln, können zwei Fußgänger oft nicht einmal nebeneinander auf dem Bürgersteig gegen – wegen gekippt auf dem Gehweg parkender Fahrzeuge.

Die Stadt Bonn will jetzt auf einer Länge von 21 Kilometern Fahrradstraßen ausweisen und markieren. Um die erforderliche Sicherheit und die Breite von 4,50 m zu erreichen, fallen auch Parkplätze weg. Von den  betroffenen 2033 Kfz-Parkständen bleiben 1418 erhalten – das sind 70%. Für einzelne Bewohner einer solchen Straße wird der Weg zu seinem Fahrzeug möglicherweise weiter werden. Dafür wird das Fahrradfahren und das zu Fuß gehen in diesen Straßen sicherer und komfortabler. Zur nächsten Bushaltestelle läuft man im Schnitt bis zu 500 Meter, das sollte für Parkplätze auch zumutbar sein.

Warum das auch nötig ist, zeigen die Bonner Ergebnisse des jüngst veröffentlichten Fahrradklimatests. Danach wird die Sicherheit beim Radfahren in Bonn weiter bemängelt und nur mit der Note 4,1 bewertet. Mehr Fahrradstraßen werden für mehr Sicherheit sorgen und die gefühlte Unsicherheit deutlich verringern.

Der Klimaplan der Stadt sieht vor, dass der Anteil derer, die täglich einen Teil ihrer Wege mit dem Rad zurücklegen, auf 100.000 pro Tag erhöht werden soll. Dafür braucht es eine entsprechende Radinfrastruktur. Nötig ist ein sicheres und einladendes Radwegenetz für die gesamte Stadt und Anbindung an das Umland. Wenn die Menschen sehen, wo genau das Hauptroutennetz für Radfahrende zur Verfügung stehen soll und weitere Fahrradstraßen als ergänzende Nebenrouten gebraucht werden, können sie leichter mittragen, warum gerade die Straße, in der sie wohnen, zu einer der geplanten Fahrradstraßen wird. Der ADFC setzt auf die Einsicht und die Unterstützung der Bewohner der betroffenen Straßen. Die Unterbindung des Durchgangsverkehrs in Fahrradstraßen könnte z.B. die Akzeptanz verbessern.

Es gibt nicht „den Autofahrer“ oder „die Radfahrerin“. Viele sind auf verschiedenen Wegen mobil: zu Fuß, mit dem Rad, dem Bus oder mit ihrem Auto. Deshalb hilft keine aufgeheizte Debatte, in der die angebliche Privilegierung der Radfahrenden skandalisiert wird, sondern die gemeinsame Diskussion darüber, wie wir die Lebensqualität in der Stadt verbessern und gemeinsam für ein klimaneutrales Bonn eintreten.

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