NRW-Verkehrsminister Krischer will sich für Radschnellweg an der A565 einsetzen - ADFC Bonn/Rhein-Sieg

Tausendfüßler © Straßen.NRW

NRW-Verkehrsminister Krischer will sich für Radschnellweg an der A565 einsetzen

Minister kündigt im ADFC-Rückenwind Gespräche mit Beteiligten der Region an

Trotz der Nichtberücksichtigung eines Radschnellweges entlang des Tausendfüßlers in den überarbeiteten Planunterlagen der Autobahn GmbH hat der ADFC Bonn/Rhein-Sieg Hoffnung, dass das Projekt realisierbar ist. Der neue NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer kündigte in einem Interview mit dem ADFC-Magazin Rückenwind an, mit allen Beteiligten in der Region über die Realisierungsmöglichkeiten zu sprechen. Krischer sagte auf die Frage, ob er sich als Verkehrsminister, der aufs Rad setzt, jetzt noch einmal für den Radschnellweg einsetzen wolle: „Ich werde mich wegen des Radschnellweges entlang der A565 mit der Bonner Oberbürgermeisterin Katja Dörner austauschen, die bei dem Thema hoch engagiert ist. Ich werde auch mit anderen Beteiligten den Kontakt suchen, etwa im Rhein-Sieg-Kreis.“ Offenbar ist das Projekt noch nicht gestorben. „Wir werden schauen, was wir da tun können, damit es am Ende zu einer Lösung kommt, die den Radverkehr in der Region tatsächlich voranbringt. Was das im Einzelnen sein könnte, kann ich noch nicht sagen. Aber ich möchte mich in jeden Fall mit allen Beteiligten zu einer Lösung austauschen.“

Nach Ansicht des ADFC hat der Radschnellweg vom linksrheinischen Alfter (Bahnhof Witterschlick) über Bonn-Endenich (Uni-Campus) und die Nordbrücke in den rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis nach Niederkassel, Troisdorf und Sankt Augustin (Fachhochschule) enormes Potential. Zudem könnte ein Radschnellweg entlang der A565 ein Leuchtturmprojekt für die Förderung des Radverkehrs werden. Eine modulare technische Lösung für einen aufgeständerten Radschnellweg über anderen Verkehrswegen war kürzlich in der Schweiz vorgestellt worden (https://www.urb-x.ch/). „Die Autobahn GmbH des Bundes wäre gut beraten, nach einer konstruktiven Lösung zu suchen, anstatt auf alten Positionen zu beharren und das Verfahren mit der Aussicht auf jahrelange Gerichtsverfahren durchzuziehen“, fordert Bernhard Meier, 2. Vorsitzender des ADFC Bonn/Rhein-Sieg. „Jede künftige Trasse für den regionalen Radschnellweg muss über die Nordbrücke führen, die wie viele andere Straßenbrücken in den kommenden Jahren neu gebaut werden muss.“ Eine Führung durch die Innenstadt und eine Rheinquerung über die Kennedybrücke ist aus Sicht des ADFC nicht realisierbar. „Wenn wir den Radverkehr beschleunigen und den Rhein-Sieg-Kreis mit den Wohn- und Arbeitsschwerpunkten in Bonn verbinden wollen, dann bleibt nur der Radschnellweg entlang des Tausendfüßlers. Diese Gelegenheit bietet sich nur jetzt oder nie mehr“, so Meier.

Die Führung des Radschnellweges neben, über oder unter der Autobahntrasse ist nach Ansicht des ADFC technisch möglich, unabhängig von der strittigen Frage, ob das Bauwerk Tausendfüßler nur erneuert oder auch um einen Standstreifen bzw. eine weitere Fahrspur verbreitert wird. Rechtlich bestehen keine Hinderungsgründe mehr, seit dem Beschluss des Bundestags im Mai 2020 zur Änderung des Bundesfernstraßengesetzes: „Betriebswege auf Brücken im Zuge von Bundesautobahnen und Betriebswege auf Brücken im Zuge von Bundesstraßen, die als Kraftfahrstraßen ausgewiesen sind, sind bedarfsabhängig durch den Träger der Straßenbaulast so zu bauen und zu unterhalten, dass auf ihnen auch öffentlicher Radverkehr abgewickelt werden kann“, heißt es jetzt in dem neuen Artikel des Gesetzes.

­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­Hintergrund: Der ADFC setzt sich seit 2017 für den Radschnellweg entlang des Tausendfüßlers ein. Für den Radschnellweg hatten sich die Stadt Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis ebenfalls bereits im Jahr 2017 ausgesprochen und eine Machbarkeitsstudie mit dem Titel „Wirtschaftlichkeitsberechnung und Potenzialnachweis für den geplanten Radschnellweg (RSW) Bonn/Rhein-Sieg“ vorgelegt. 2020 hat der Rat der Stadt Bonn seine Forderung nach einem Radschnellweg erneuert. Die Autobahn GmbH des Bundes hat den Zeitplan für den Start des Ausbaus der A565 im Bonner Stadtgebiet mit dem Teilprojekt Erneuerung des sogenannten Tausendfüßlers zwischen den Anschlussstellen Endenich und Tannenbusch erneut verschoben, inzwischen auf das Jahr 2025. Die im Planfeststellungsverfahren notwendige Anhörung zu den erfolgten 381 Einwendungen gegen den sechsspurigen Ausbau der Autobahn in diesem Abschnitt ist noch nicht erfolgt. Am Montag dieser Woche (12.9.) legte die Autobahn GmbH in einem sogenannten 1. Deckblattverfahren marginale Änderungen zum Planfeststellungsverfahren und das geforderte Klimagutachten vor. Auch diese Unterlagen liegen jetzt bis zum 11. Oktober öffentlich aus, bis zum 8. November können Einwendungen an die Bezirksregierung Köln als Planfeststellungsbehörde gerichtet werden

Der Rückenwind, das Magazin des ADFC Bonn/Rhein-Sieg, erscheint quartalsweise mit einer Auflage von 10.000 Exemplaren. Er wird an die Mitglieder versandt und liegt in Fahrradläden und zahlreichen Geschäften in der Region zur Mitnahme aus. Hier der Link zum Online-Rückenwind 4/2022.

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