ADFC begrüßt Ablehnung der Stadt zur Verbreiterung der Nordbrücke - ADFC Bonn/Rhein-Sieg

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Kreisverband Bonn/Rhein-Sieg e. V.

Nordbrücke © Sascha Engst/Stadt Bonn

ADFC begrüßt Ablehnung der Stadt zur Verbreiterung der Nordbrücke

Bundesverkehrsminister Schnieder zum Gespräch eingeladen

Der ADFC begrüßt den Vorschlag der Bonner Stadtverwaltung, beim Neubau der Nordbrücke auf eine Verbreiterung zu verzichten. Eine entsprechende Empfehlung an den Stadtrat hat die Verwaltung Anfang Juli vorgelegt. Demnach soll die Nordbrücke schnell und kostengünstig erneuert, aber nicht die zum Teil doppelte Breite ausgebaut werden. Stattdessen hat die Stadt den Bedarf für einen vier Meter breiten Radschnellweg angemeldet. „Im begrenzten innerstädtischen Raum erfordert der geplante Ausbau der Verkehrswege einen vernünftigen Kompromiss, der allen Mobilitätsarten zukünftige Entwicklungen möglich macht und nicht verbaut“, unterstützt den Vorschlag Bernhard Meier, Vorsitzender des ADFC-Kreisverbandes Bonn/Rhein-Sieg. Deshalb hat der ADFC-Vorstand bereits am 3. Juni den neuen Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder angeschrieben und um ein Gespräch gebeten. Schnieder hat seinen zweiten Amtssitz in Bonn und kennt die Stadt noch aus seiner Studienzeit.

„Die Ausbaupläne für diese kurze Autobahn sind der Grund, weshalb wir uns an Sie wenden, denn wir sehen hier eine große Gefahr, dass die jetzigen Ausbauplanungen einen möglichen Anstieg des Radverkehrs auf lange Sicht ausbremsen“, heißt es in dem Schreiben. „Gäbe es in Zukunft eine leistungsfähige Radverkehrsverbindung parallel der Autobahn 565 auf der etwa 5 km langen Strecke von Endenich über das Bauwerk „Tausendfüßler“, die zwei Bahnstrecken der DB und der Stadtbahn bis zu Bonner Nordbrücke über den Rhein, könnte hier eine sehr attraktive Radinfrastruktur entstehen, die den nördlichen rechts- und linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis und zahlreiche Ziele im Nahbereich (u.a. Uni-Campus Bonn, Hochschule Rhein-Sieg, ICE Bahnhof Bonn/Siegburg) verbindet. Da es sich um Distanzen handelt, die – zumal mit den heute meistverkauften Pedelecs – leicht erreichbar sind, liegt hier ein großes Potenzial für den Radverkehr. Wenn dieses Potenzial ausgeschöpft würde, käme das auch der Flüssigkeit des Güter- und Individualverkehrs auf der A565 und im Bonner Stadtgebiet zu Gute.“

 Der ADFC sieht noch immer die Chance, eine zukunftstaugliche Planung beim Ausbau der A565 zu erreichen, die Verbesserungen für den Kfz-Verkehr, den Radverkehr und die Belange der Fußgänger schafft. Zu dem noch in diesem Jahr erwarteten Planfeststellungsbeschluss für das Teilprojekt Abriss, Neu- und Ausbau des Bauwerks Tausendfüßler lässt der ADFC durch eine Fachkanzlei die Möglichkeiten einer Klage prüfen, um den von der Stadt und dem Kreis geforderten Radschnellweg doch noch zu ermöglichen. Aktuell sind allein für den „Tausendfüßler“ die Bauzeit auf neun Jahre und die Kosten auf 450 Millionen Euro projektiert. Für den Mitte der 2030 Jahre vorgesehenen Neubau der Nordbrücke müssten zahlreiche Häuser abgerissen werden, um eine Trasse linksrheinisch zwischen die „Zwangspunkte“ Kläranlage und Römerbad, rechtsrheinisch zwischen das FFH-Gebiet der Siegaue und den denkmalgeschützten alten jüdischen Friedhof zu quetschen. Der ADFC sieht die Möglichkeit, durch einen moderateren Ausbau der Autobahn und innovative technische Lösungen einen verbesserten Verkehrsfluss auf der Autobahn und eine leistungsfähige Radinfrastruktur zu schaffen.

 Sollte der Radschnellweg nicht möglich sein, favorisiert der ADFC die von der Stadt vorgeschlagene Variante 3 (Nordseite der Brücke mit 3 m breitem Fuß- und Radweg im Mischverkehr / Südseite mit 3 m breitem Radweg im Zweirichtungsverkehr und 2,50 m breitem Fußweg). Diese ist aus Sicht des ADFC auch unter Kostenaspekten die beste Lösung. Die heutigen Spindeln als Zubringer zu den Fuß- und Radwegen auf der linksrheinischen Seite sieht der ADFC als Hindernis für einen einladenden Radverkehr und insbesondere für Menschen mit Handicap. Auf der linksrheinischen Seite wäre der Radverkehr auf der Brücke neu an die Veloroute 1 (Rheinradweg) anzubinden. Auf der rechtsrheinischen Seite soll die Veloroute 2 entlang der nördlichen Seite der neuen Autobahnrampe mit einer direkten Anbindung des Siegradweges angeschlossen werden. Die heute bereits vom Radverkehr massiv überlastete Kreuzung Niederkasseler Straße (L269 / L16) hat an vielen Tagen im Jahr längst ihre Kapazität überschritten und soll durch diese neue Anbindung entlastet werden.

Auf dem Weg zu einem Kompromiss für alle Verkehrsträger, ist sich der ADFC einig mit der Industrie- und Handelskammer Bonn: Im gemeinsamen Positionspapier von IHK, ADFC und Radentscheid heißt es: „Beim projektierten Neubau der Bauwerke Tausendfüßler und Friedrich-Ebert-Brücke der A565 (einschließlich der Vorlandbrücken) sollte die Autobahn GmbH daher Radverkehr parallel der Strecke ermöglichen.“

Gemeinsames Positionspapier IHK/ADFC/Radentscheid  

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