ADFC entsetzt über fahrradunfreundliche Maßnahme in Königswinter

 

Unterführung Petersbergstraße in Niederdollendorf durch Umlaufsperre entwertet

 

Niederdollendorf: Bahnunterführung Petersbergstraße © Lars Düerkopp

Die ca. 5 m breite Unterführung war bisher für Fußgänger und Radfahrer problemlos durchquerbar und nur an den beiden Zufahrten östlich und westlich der Bahn durch einzelne Poller vor Durchquerung von Kfz-Verkehr geschützt.

Nunmehr müssen sich Radfahrer, Eltern mit Kinderwagen, Posträder, Lastenräder, u.ä. durch die dreiteilige Umlaufsperre zwängen. 

Hintergrund: Die Errichtung der Umlaufsperre geht auf einen Bürgerantrag eines Niederdollendorfer Bürgers zurück, der seine Petition damit begründet, dass hier "Motorradfahrer mit schweren PS-Maschinen" die Unterführung nutzen und dies unterbunden werden solle. Der Bau- und Verkehrsausschuss der Stadt Königswinter hatte – nach Vorlage eines Umsetzungsvorschlags des Straßenverkehrsamts – der Errichtung der Umlaufsperre Ende November 2022 zugestimmt.

Die Unterführung wird sehr regelmäßig als Umfahrung der häufig geschlossenen DB Schranken der Heisterbacher Straße genutzt. Die Bürger reagierten in den ersten Stunden nach Errichtung der Sperre großteils mit Unverständnis und Kopfschütteln, weil sie nunmehr meistens nur schiebend die eigentlich großzügig bemessene Unterführung durchqueren können. Radfahrer mit Kinderanhänger oder Lastenfahrrad sind, wie jetzt zu beobachten ist, nur durch mehrfaches hin-und-her-rangieren in der Lage, ihr Gefährt durch die Absperrung zu manövrieren. Keine 24 Stunden nach Bau der Sperrgitter gab es dort den ersten Personenunfall mit Beschädigung von Fahrrad und Sperrgitter.

Eine ADFC-Befragung der entrüsteten Passanten am Freitag ergab, dass sie - selbst bei regelmäßiger Nutzung - in den letzten Jahren keine störenden Motorräder in der Unterführung wahrgenommen haben. Dem ADFC ist auch nicht bekannt, dass hier ein Unfallschwerpunkt bestünde oder gehäuft Ordnungswidrigkeiten angezeigt worden wären. Der ADFC hat Bürgermeister Lutz Wagner aufgefordert, die Umlaufsperre unverzüglich zurückbauen zu lassen.

Der ADFC Bonn/Rhein-Sieg hatte bereits im Oktober 2022, als der Bürgerantrag bekannt wurde, Stadtverordnete aller Fraktionen angeschrieben und gebeten, den Bürgerantrag abzulehnen, “weil eine Umlaufsperre an dieser Stelle den Fußgänger- und Radverkehr ohne Not behindern würde.“  Denn die Unterführung stellt für Schüler der Schulen in der Friedenstraße eine sehr wichtige Verbindung dar. Auch von Eltern mit Kinderwagen, die Kinder zu den naheliegenden Kindergärten begleiten, ist diese Verbindung begehrt. Nicht zuletzt stellt die Unterführung bei geschlossener Schranke an der Heisterbacher Straße eine sehr wichtige Alternativverbindung für Radfahrer aller Alters- und Nutzergruppen dar. Ein "Drängelgitter" würde diese Verbindung nachhaltig entwerten.

ADFC-Sprecher Bernhard Steinhaus stellte fest: „Die behauptete verbotswidrige Nutzung dieser Unterführung durch motorisierte Zweiradfahrer kann eine solche Maßnahme nicht rechtfertigen.“ Auch er ist trotz regelmäßiger Nutzung dieser Verbindung noch nie Motorrädern dort begegnet. Es könne sich somit - wenn überhaupt - nur um Einzelverstöße handeln, die eine alltägliche Behinderung für Fußgänger und Radfahrer nicht begründen dürfen!

Aus ADFC-Sicht ist die großzügig bemessene Breite der Unterführung derzeit auch eine gute Grundlage eines fairen Miteinanders von Fußgängern und Radfahrern im Bereich der Unterführung und deren Zufahrten. Störend ist dagegen im Alltag viel mehr die seit einigen Monaten entstandene Behinderung durch parkende Kfz gegenüber dem Pfarrheim, nachdem der Gebäudekomplex an der Paulstraße fertiggestellt wurde und einige Anlieger die Zufahrt zu der Unterführung als Parkraum in Anspruch nehmen.

Umlaufsperren sind zudem gemäß den einschlägigen „Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA)“ - wenn überhaupt – nur an gefährlichen Querungen vorgesehen, was hier eindeutig zu verneinen ist.

ADFC-Sprecher Steinhaus fordert: „Hier ist der Bürgermeister gefordert, den Unsinn umgehend zurückzunehmen und die Umlaufsperre vollständig abbauen zu lassen. Auf der einen Seite wird behauptet, die Stadt wolle die Verkehrswende voranbringen und den Radverkehr fördern. Auf der anderen Seite wird eine im Alltagsverkehr für Radfahrerinnen und Radfahrer wichtige Verbindung einfach ohne Not unbrauchbar gemacht.“

Pikant aus Sicht des ADFC sind an der aktuellen Situation zudem zwei Aspekte: Während die Verwaltungsvorlage unter dem  Abschnitt „Auswirkungen auf Klimaschutz und Nachhaltigkeit“ keinerlei Relevanz aufführt, melden sich jetzt erste enttäuschte Bürger, dass sie ja auch wieder aufs Auto umsteigen könnten.

Außerdem bemerkenswert, dass monatelang keinerlei Verbesserungen für den Radverkehr seitens der Stadt Königswinter zu verzeichnen sind, obwohl diverse Ratsbeschlüsse hierzu in Amtsschubladen schlummern, andererseits aber eine Maßnahme, die die radfahrenden Bürgerinnen und Bürger so erheblich behindert, innerhalb weniger Wochen umgesetzt wird. „Das ist völlig unverständlich!“, so Steinhaus.

Nach Auffassung des ADFC kann im Nachgang zum kurzfristigen Abbau des unsäglichen „Drängelgitters“ auch konstruktiv überlegt werden, wie das gute Miteinander von Fußgängern und Radfahrern im Bereich der Unterführung gefördert werden kann, etwa durch Hinweisbeschilderung zur Rücksichtnahme auf beiden Seiten der Zufahrten. Außerdem sollte die eigentliche Engstelle, nämlich vor dem Pfarrheim wenige Meter westlich der Unterführung, durch ein geeignetes Kfz-Parkverbot beseitigt werden.

Der ADFC steht gern für einen Vor-Ort-Termin auch persönlich zur Verfügung.

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Lars Düerkop | ADFC Pressesprecher Ortsgruppe Siebengebirge Hauptstr. 30 53604 Bad Honnef Tel: 022249011300 Mob.: 01775492414

 


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